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Hördiagnostik bei Erwachsenen

Auch wenn oder gerade weil unsere Spezialisierung auf der Behandlung von hör- und sprachgeschädigten Kindern liegt und wir im Rahmen der (Päd-)Audiologie ein ganz besonderes Anforderungsprofil erfüllen - in dem wir objektive und subjektive Verfahren mit modernster Medizintechnik und erfahrenem Personal kombinieren - möchten wir diese Ressourcen auch Erwachsenen im Rahmen einer spezialisierten Privatsprechstunde zugänglich machen.

Warum eine Einschränkung auf privat Versicherte?

Die ärztliche Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Hörproblemen ist aus Gründen der volkswirtschaftlichen Betrachtung, der reinen Anzahl Betroffener, der Auswirkung auf das private, familiäre, soziale und berufliche Umfeld mehr als relevant. Bildungschancen hängen von einer frühen Versorgung ab und soziale Teilhabe stellt bei Erwachsenen eine Herausforderung dar.

Die Versorgung ist deshalb in vielen Regelwerken beschrieben und im ambulanten Bereich dem kassenärztlichen Versorgungssystem gesetzlicher Patientinnen und Patienten zugeordnet. Aspekte des Screenings, der Früherkennung, der Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation sind hier umfassend geregelt. Im ambulanten Bereich wird dies koordiniert und federführend angewandt von den niedergelassenen HNO-Ärztinnen und -Ärzten sowie der zahlenmäßig viel kleineren Gruppe der Phoniater und Pädaudiologen.
Unser Ansatz richtet sich auf die Versorgung privat versicherter Patientinnen und Patienten. Die Kindersprechstunde hat den starken Schwerpunkt im Bereich der Sprach- und Hörentwicklung. In der Erwachsenen-Sprechstunde adressieren wir die Aspekte, die auftreten, wenn ein gesundes Gehör mit der Zeit Einschränkungen entwickelt. Dies sind die Bereiche der Therapie, der Wiederherstellung, der apparativen Hilfsmittel, des Trainings und der Rehabilitation. Ein Sonderaspekt ist die berufliche Teilhabe und Eingliederung.

Welche Leistungen bieten wir an?

  • Hördiagnostik, leitliniengerecht
  • gründliche Anamnese inkl. der Ermittlung des Höralltages
  • Bestimmung des Ton- und Sprachgehörs
  • Ermittlung der ohr-individuellen Hörerfahrung, insbesondere bei asymmetrischem Gehör
  • Objektive Beurteilung des Trommelfells, der Mittelohrübertragung und der Aktivierbarkeit der äußeren Haarzellen
  • Maskierung von Sprache durch anderen Schall. Hierzu gibt es bereits einige Standardverfahren, andere sind in der Entwicklung und stehen als Forschungsverfahren zur Verfügung
  • Maskierung von Sprache durch räumliche Trennung. Im Alltag kommen akustische Signale nicht aus technischen Punktquellen, sondern haben einen akustisch breiten und im Raum verteilten Ursprung. Hierfür bauen wir aktuell Forschungsaudiometer auf. Diese Verfahren werden individuell nach gezielter Notwendigkeit mit eingesetzt
  • Ergänzende Verfahren gestatten Aussage zu Regulationsmechanismen zwischen Gehör, Gleichgewichtsregulation und optischer Augenkontrolle
  • Hörgeräte-Messtechnik, -Erfolgsbeurteilung und -Feinanpassung
  • Subjektive Hörgeräte-Erfolgskontrolle mit Fragebogeninventaren zum Höralltag und zur hörbasierten Lebensqualität
  • Koordination und Informationsaustausch mit den betreuenden Ohrenärzt_innen und Hör-Akustiker_innen.

Hintergrund

Grundsätzlich wollen wir alle Hörprobleme abdecken. In den allermeisten Fällen betrifft dies Patientinnen und Patienten bei denen enge Bezugspersonen (significant others) bereits einige Zeit vorher bemerken, dass nicht alles akustisch so ankommt, wie es ausgesprochen wurde. Dies adressiert die Diskrepanz zwischen Hören und Verstehen.

Oft wird in der Bevölkerung, der Presse aber auch in Fachartikeln der Zusammenhang zwischen Hörverstehen – Alter – Kognition angesprochen. Dazu gibt es zwei vereinfachte Sichtweisen:

  1. Das Verstehen nehme ab, weil die kognitive Leistungsfähigkeit mit dem Älterwerden ebenfalls abnehme!
  2. Das Verstehen sei eingeschränkt, weil keine oder eine unzureichende technische Hörversorgung angewendet wurde!

Wie immer liegt die Wirklichkeit zwischen diesen Extrema. Mit hoher Wahrscheinlichkeit können aus der Literatur folgende Schlussfolgerungen gezogen werden:

  • Die hörtechnische Versorgung unterliegt einem Wandel.
  • Nicht jede hörtechnische Versorgung ist bereits optimal an das Gehör angepasst.
  • Kognition nimmt nicht linear mit dem Älterwerden ab.
  • Es gibt Diskrepanzen zwischen dem Gehör und dem Sprachverstehen, welches nicht so gut ist, wie Modellvorhersagen es auf der Basis des Gehörs erwarten lassen würden.
  • Wissenschaftliche Befunde, die seit ca. 2015 zunehmend Aufmerksamkeit erlangen, geben erste Anhaltspunkte dafür, dass eine Schädigung des Innenohres auch andere Strukturen erfassen kann, als isoliert „nur“ die äußeren Haarzellen (Liberman & Kujawa, 2015).
  • Erregungsmuster des Hörnervs, die im Gehirn analysiert und interpretiert werden müssen, sind deshalb möglicherweise anders ausgeprägt als angenommen.
  • Rehabilitation, also das Wiedererlernen des Hörens ist ein komplexer Vorgang, der eine intensive Schulung und Begleitung erfordert.
  • Der Höralltag Betroffener ist komplexer als dies in Laborsituationen abbildbar ist.
  • Nicht alle zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Untersuchungsverfahren sind bereits im Bereich der klinischen Audiologie etabliert. Dafür müssen oft formale, medizinrechtliche Voraussetzungen geschaffen werden. Zusätzlich muss ein fachlicher Austausch innerhalb der nationalen und internationalen Fachgesellschaften stattgefunden haben, um die Interpretation solcher Befunde einem kollegialen Austausch zu unterwerfen.

Was ist die Vorgeschichte?

Herr Prof. Dr. med. Plotz (s.a. CV) hat über 20 Jahre lang die Hördiagnostik-Sprechstunde, später spezial-audiologische Diagnostik im Rahmen einer Außensprechstunde des Evangelischen Krankenhauses Oldenburg am Hörzentrum Oldenburg durchgeführt. Die Expertise aus dieser Anwendung und Interpretation der wissenschaftlich-audiologischen Verfahren und der Abbildung auf den individuellen Höralltag, den die Patientinnen und Patienten schilderten, ist durch viele 1000 Fälle entstanden. Jetzt soll diese Erfahrung kombiniert mit klassischen Verfahren der klinischen Audiologie genutzt werden, um sie Patientinnen und Patienten, die „ein Hörproblem“ bei sich bemerken, im paezo anzubieten.